Ritual positiver Austausch

Wie Sie mit einer einfachen, wissenschaftlich belegten Formel Ihre Beziehung pflegen können

Fühlen Sie sich in Ihrer Beziehung geliebt und wertgeschätzt? Wann haben Sie selbst das letzte Mal Ihrem Partner etwas Liebevolles gesagt? Eine häufige Antwort, die ich in meiner Praxis für Paarberatung höre, lautet: „Sie weiß doch, dass ich sie liebe.“ Oder „Er weiß doch, dass ich ihn attraktiv finde.“ Aha?

Es gibt nicht nur Hunger nach gutem Essen, es gibt auch einen Hunger nach guten Worten, nach Beachtung und Gesehenwerden. Paare, die aneinander vorbeileben oder sich resigniert anschweigen, sind emotional verhungert. Menschen brauchen Liebe und Wertschätzung so notwendig wie die Luft zum Atmen. Ansonsten verhungert die Liebe.

5:1 – Eine Formel für die Liebe

Der berühmte amerikanische Wissenschaftler und Paartherapeut John Gottman, der wie kein anderer Beziehungen untersucht und unzählige Paare in seinem Love Lab (Liebes-Labor) beobachtet und analysiert hat, kommt auf eine interessante Formel: Die sogenannte Gottman-Konstante besagt, dass in stabil-zufriedenen Beziehungen das Verhältnis von positivem zu negativem Verhalten mindestens 5:1 betragen muss. Das heißt, dass eine negative Interaktion durch fünf positive ausgeglichen werden kann.

Eine dauerhafte Zufriedenheit innerhalb der Partnerschaft ist also nur aufrechtzuerhalten, wenn es mindestens fünfmal so viel positiven Austausch wie negativen gibt.

Bei vielen unglücklich-instabilen Partnerschaften ist dieses Verhältnis von 5:1 jedoch umgekehrt und negative Äußerungen überwiegen. Es fällt vielen leichter, ihren Partner/ihre Partnerin zu kritisieren, als ihm/ihr etwas Nettes zu sagen. Und genau diese liebevolle Zuwendung geht uns manchmal verloren. Ohne böse Absicht, einfach, weil der Alltag uns „im Griff“ hat: Wir sind unaufmerksam oder werten gar einander ab, sind gestresst, selber bedürftig und verhalten uns in solchen Momenten vielleicht auch manchmal dem Partner/der Partnerin gegenüber rücksichtslos. Menschlich – aber: riskant!

Positiver Austausch und liebevolle Gesten statt negatives Nörgeln und Motzen

Wenn das Verhältnis von positiver Zuwendung und Geringschätzung nicht ausgewogen ist, gefährdet das unsere Partnerschaft enorm! Eine einzige als negativ empfundene Äußerung braucht fünf positive, liebevolle Äußerungen, um wieder ausgeglichen zu werden. Wohlgemerkt: ausgeglichen – nicht, dass dann bereits eine außerordentlich liebevolle Atmosphäre da wäre.

Oder anders gesagt: Eine Kritik, eine Kränkung am anderen wiegt fünfmal schwerer als eine Anerkennung!

Überprüfen Sie doch selbst einmal Ihre Kommunikation in der Partnerschaft! Wie oft haben Sie an einem Tag Ihrem Partner/Ihrer Partnerin etwas vorgeworfen, genörgelt, genervt oder abwertend reagiert? Wie oft haben Sie Ihrem Partner am selben Tag ein Kompliment gemacht, sich bedankt oder ihm gezeigt, dass Sie ihn lieben?

Wie steht es also in Ihrer Partnerschaft mit dem Verhältnis von positivem und negativem Austausch (5:1)?

Das tägliche „Danke“!

Sie sollten in Ihrer Partnerschaft nichts als selbstverständlich hinnehmen. Bedanken Sie sich für die alltäglichen Gesten und Tätigkeiten bzw. zeigen Sie Anerkennung und Wertschätzung für all diese Selbstverständlichkeiten oder auch dafür, dass der andere an meiner Seite ist.

Es ist das kleine „Danke“, in dem sich die Anerkennung und Wertschätzung für unseren Partner zeigt. Und diese positiven Signale und liebevollen Gesten wie Komplimente, Umarmungen, kleine Mitbringsel oder Liebes-Botschaften können die Liebe lebendig halten, durch sie sind Zuneigung und Verbindung wieder spürbar.

Für die Beziehungspflege ist es unverzichtbar, dem anderen zu zeigen, dass er uns wichtig ist. Erst durch die gegenseitige Wertschätzung fühlen wir uns geliebt, vertraut, angenommen und geborgen.

Bekommen Sie das Positive wieder in den Blick.

Sie können also folgendes tun, um Ihre Beziehung achtsam zu pflegen:

  • Sagen oder schreiben Sie sich täglich Liebevolles, schenken Sie einander Komplimente.
  • Tun Sie täglich mindestens zwei kleinere Dinge aus Liebe für den anderen. Oder fragen Sie einander: „Was kann ich dir Gutes tun?“ „Was brauchst du?“
  • Machen Sie regelmäßig ein Dankbarkeitsritual und sagen (oder schreiben) Sie sich gegenseitig die Dinge, wofür Sie dankbar sind in der Beziehung: „Ich danke dir dafür, dass du…“ Hilfreich sind dabei folgende Fragen: Wofür bin ich dankbar? Was mag ich an dir? (Welche Verhaltensweisen, Taten, Eigenschaften, Aussehen …) In was habe ich mich damals verliebt? Was klappt gut zwischen uns? Was ist schön mit dir? Was möchte ich wieder mit dir erleben (was wir schon einmal gut konnten)? Weshalb möchte ich dich nicht verlieren? Warum möchte ich mit dir zusammen sein?

Und verbringen Sie gemeinsame Zeit, um lust- und freudvolle Aktivitäten zu genießen und schöne Erlebnisse zu teilen. Mit Leichtigkeit und Humor ist das Positive dann noch viel zugänglicher!

Wertschätzung schafft Nähe und Rituale erzeugen Vertrauen.

Regelmäßig zelebriert und wirklich aus dem Herzen kommend, stärken Sie mit diesen Liebeserklärungen und Aufmerksamkeiten Ihre Beziehung ganz besonders.

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