Hilfreiche Kommunikation - Konflikte lösen

Miteinander reden schafft Bindung und Nähe. Mit folgenden Grundsätzen und Lebenshaltungen gelingt Ihre Kommunikation mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin besser. Eine positive Gesprächskultur ist das Fundament jeder Liebe.

1. Mitteilen statt Gedankenlesen

Wenn wir ganz ehrlich sind, dann wollen wir, dass unser Partner uns die Wünsche von den Augen abliest.

Diese unerfüllten Erwartungen führen zu unausgesprochenen Gedanken wie „Ich hätte erwartet, dass er …“, „Ich dachte, sie würde …“, „Ich hatte gehofft, dass er …“ und sind Ursache für Enttäuschungen und Ärger.

Insgeheim machen Sie Ihren Partner/Ihre Partnerin für Ihre Enttäuschung verantwortlich, nach dem Motto: „Wenn er/sie mich wirklich liebt, müsste er/sie doch wissen, was ich gerade jetzt brauche bzw. von ihm/ihr erwarte. Also ist das der Beweis dafür, dass er/sie mich nicht wirklich liebt.“

Aber: Ihr Partner ist kein Gedankenleser. – Wir müssen lernen, uns mitzuteilen!

Einige häufige Klage in Partnerschaften lautet: Ich fühle mich nicht gesehen. Wichtig ist dabei: Um gesehen zu werden, müssen Sie sich zeigen! Und Ihre Bedürfnisse und Wünsche aktiv und konkret aussprechen.

Beim Mitteilen geht es darum, dass wir das, was in uns ist, zeigen. Das ist ein sehr verletzlicher Prozess. Es geht darum, unseren Partner wissen zu lassen, was wir fühlen, was wir uns wünschen, wo unsere Sehnsüchte liegen. Und auch, was uns verletzt, was uns wütend macht. Wir legen unsere Seele auf den Tisch. Und nur so hat der andere die Möglichkeit, uns kennenzulernen und zu verstehen.

2. Selbstverantwortung statt passives Abwarten

Wenn wir erwarten, dass unser Partner uns wortlos versteht, dass er unsere Bedürfnisse und Wünsche erfüllt, ohne dass wir sie aussprechen, verhalten wir uns wie Säuglinge.

Dagegen ist ein erwachsenes Verhalten in der Paarbeziehung: Ich selbst übernehme die Verantwortung für mich, ich sorge für mich. Ich werde mir darüber klar, was ich brauche, welche Werte und Interessen, Wünsche und Bedürfnisse ich habe. Und ich kann sie angemessen mitteilen. (Wie eine Angemessenheit und Achtsamkeit in der Kommunikation gelingen kann, erfahren Sie in „Hilfreiche Kommunikation Teil 2“.)

Wir müssen aufhören, den Partner für unser Glück oder Unglück verantwortlich zu machen, und selbst Verantwortung für unsere Liebe übernehmen.

Indem ich selbstverantwortlich handele, kann ich Situationen verändern, wenn sie mir nicht behagen. Ich bin nicht Opfer meiner Umstände und muss nicht abwarten, bis mein Partner sich bewegt, sondern kann selbst den ersten Schritt wagen.

„Willst du geliebt werden, liebe.“  Seneca

3. Wunsch und Bitte statt Vorwurf und Forderung

Sagen Sie nicht, was Sie nicht wollen (Vorwurf, Urteil), sondern äußern Sie, was Sie stattdessen möchten: Was ist Ihr unerfülltes Bedürfnis und welchen Wunsch oder welche konkrete Bitte haben Sie an Ihren Partner?

Vorwürfe sind verdorbene Wünsche – und wirken noch heftiger durch verstärkende Verallgemeinerungen wie „Immer“ oder „Nie“ und negativen Charakterzuschreibungen („Du bist doch ein …“)

Statt also den Vorwurf loszuschmettern „Nie unternimmst du etwas mit mir!“ wenden Sie sich mit Ihrem Wunsch an Ihren Partner/Ihre Partnerin: „Ich wünsche mir, dass wir etwas unternehmen.“ Und dann machen Sie am besten einen konkreten Vorschlag, um ihren Wunsch gleich durch eine verbindliche Verabredung wahr werden zu lassen.

Wünsche können Ohren und Herzen öffnen, Forderungen und Klagen verschließen sie.

4. Von sich sprechen / Ich-Botschaften statt Du-Vorwürfe

Lösen Sie sich von der „Du“-Kommunikation und verwenden Sie die „Ich“-Sprache. „Du“-Sätze sind oft Vorwürfe oder Unterstellungen und führen nur zu Angriffen und Gegenattacken. Sprechen Sie von sich selbst, von Ihren eigenen Gefühlen und Wünschen.

Es macht wenig Sinn, den anderen im Konflikt unablässig auf seine vermeintlichen Fehler hinzuweisen in der Hoffnung, dass er sie einsehen und sich dann ändern möge. Das führt nur zu einem unproduktiven Schlagabtausch. Erst wenn jeder wirklich von sich redet, sich also dem anderen wirklich öffnet, ist eine Chance vorhanden, einander zu verstehen und einander wieder näher zu kommen.

„Ich kann den anderen nicht ändern, obwohl ich gerade das am liebsten täte.“

Erst, wenn Partner einander zuhören und wirklich versuchen, einander zu verstehen, kann ein tiefer und klarer Dialog entstehen. Und dann können sie eine Lösung finden, die für beide passt. (Wie hilfreiches Zuhören und vertiefende Paargespräche gelingen, erfahren Sie hier.)

5. Positive Rückmeldungen statt Nörgeln/Jammern/Motzen

Laut Studien (Gottman) ist eine dauerhafte Zufriedenheit innerhalb der Partnerschaft nur aufrechtzuerhalten, wenn es mindestens fünfmal so viel positiven Austausch wie negativen gibt.

Überprüfen Sie doch selbst einmal Ihre Kommunikation in der Partnerschaft! Wie oft haben Sie an einem Tag Ihrem Partner/Ihrer Partnerin etwas vorgeworfen, genörgelt oder genervt reagiert? Wie oft haben Sie Ihrem Partner am selben Tag ein Kompliment gemacht oder sich bedankt? Wie steht es also in Ihrer Partnerschaft mit dem Verhältnis von positivem und negativem Austausch (5:1)?

Mehr zur 5:1-Formel lesen Sie hier.

6. Ausreden lassen statt Unterbrechen und Rechtfertigen

Destruktive Paarkommunikation zeigt sich darin, sich nicht ausreden zu lassen, sondern sofort eigene Gedanken, Lösungsvorschläge oder Kritik zu formulieren und abzublocken, was man nicht hören oder fühlen will. Das, was der andere sagt, wird als Angriff empfunden, und das Dazwischenreden gleicht einem Gegenangriff. Reingrätschen hilft dabei, die Botschaft des anderen abzuwehren, bevor sie ins Ziel trifft. Weil ich ahne, dass etwas dran ist, was der andere mir sagen will, stoppe ich die Mitteilung, indem ich mich rechtfertige oder den anderen kritisiere und ein anderes Thema auf den Tisch bringe.

Wenn es gelingt, die eigenen Gedanken (Rechtfertigungen, Erklärungen der eigenen Standpunkte, …) für eine Zeit beiseite zu schieben und sich „nur“ dem Zuhören zu widmen, ist der Boden für ein wirkliches Verstehen bereitet.

Verständnis und Vertrauen schaffen durch Achtsamkeit

Um dies einzuüben, kann man einen Gegenstand (Herzstein, Murmel…) benutzen: Derjenige, der spricht, hat den Sprechstein in der Hand und gibt ihn dem anderen, wenn er ausgeredet hat. Durch die Verlangsamung wird dem Partner Ruhe und Raum gegeben und ein achtsamer Kontakt ermöglicht.

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