Streit ist wichtig und gehört zu Beziehungen dazu. Nur durch konstruktiven Austausch über die unterschiedlichen Bedürfnisse, Erwartungen und Interessen kann ein Paar sich weiterentwickeln und miteinander wachsen. Wenn jedoch immer wieder Diskussionen eskalieren und destruktiv bleiben, die Partner sich nur noch Vorwürfe machen, sich beleidigen oder anschreien, dann können folgende „Streitregeln“ dabei helfen, das „Alarmsystem“ wieder zu regulieren und zu beruhigen.

Streitregeln

Während des Streitens und in der Krise:

  • Bleibt trotz Streit im Kontakt: Haltet Augenkontakt, bleibt im Zimmer, redet langsam.
  • Begrenzt den Konflikt auf 1 Thema und maximal 1 Stunde Streit.

Hin- und herspringen von Thema zu Thema und zu langes Sprechen verwirrt und produziert viele offene Enden ohne Ergebnis. Wenn es auf endlose Diskussionen hinausläuft, macht das mürbe und hartherzig.

  • Nennt beide immer wieder das Ziel eures Streitens. Bleibt bei konkreten Situationen. Sprecht konkretes Verhalten an. Vermeidet Verallgemeinerungen wie „immer“, „nie“, …

Streiten ist das unproduktive Bemühen, vom Partner etwas Positives zu bekommen. Was braucht ihr ganz konkret? Wie könnt ihr eure Bedürfnisse und Wünsche äußern (Ich-Botschaften), anstatt in Vorwürfen (Du-Sätze) zu verharren? Wünsche können Ohren öffnen, Forderungen und Klagen verschließen sie. Wünsche statt Vorwürfe! Wenn du von dir selbst sprichst, von deinen eigenen Gefühlen, kann dein Partner dieses Gesprächsangebot besser annehmen als reine Vorwürfe, die meist nur zu Gegenattacken führen. „Ich habe Angst, nicht mehr wichtig für dich zu sein“ ist ein weicherer Einstieg als der Vorwurf „Du bist nie da!“, der oft nur Rechtfertigungen auslöst.

  • Wenn es kurz davor ist zu eskalieren: Time-out vereinbaren mit der klarer Verabredung, wann ihr euch wieder trefft (in 20 Minuten, 1-2 Stunden …, was auch immer gut für euch ist). Jeder beantwortet (nachdem er/sie sich wieder abreagiert und reguliert hat) die Frage: Was habe ich gerade zu der Situation beigetragen? Was war mein Anteil? und geht damit auf den anderen zu.

Das Abreagieren, Runterkühlen ist wichtig, um wieder aufeinander zugehen zu können. Streit wirkt bedrohlich und lässt das Alarmsystem (Kampf oder Flucht) anspringen. Stresshormone werden produziert und man ist rasch auf 180. Wer (nach Absprache!) den Raum verlässt, hat gute Chancen, sich wieder zu beruhigen. Um sich abzuregen, braucht jeder etwas Anderes: Der eine geht um den Block, der andere hört lieber Musik.

Zur Vorbeugung von Streit:

  • Äußert eure Kritik schon in Friedenszeiten. In der Krise hört keiner mehr zu.
  • Positive Haltung: Den Partner nicht als Gegner betrachten, gegen den man etwas durchsetzen will, sondern als Verbündeten, mit dem man eine Lösung finden möchte.
  • Führt regelmäßig Zwiegespräche und übt hilfreiches Zuhören. Bei einem Schlagabtausch hört ihr nicht mehr einander zu. Doch gerade in emotional aufgeladenen Situationen ist es wichtig, wirklich verstehen zu wollen, was in dem anderen vorgeht. Diese Art von Empathie, das wirkliche Interesse für die Situation des anderen, kann man trainieren.
  • Fangt bei euch selbst an: Bekennt dem Partner und den Kindern eigene Fehler.
  • Besprecht eure schon aus der Kindheit stammenden Kränkungsmuster.
  • Bekommt das Positive wieder in den Blick:

Wofür bin ich dankbar?

Was mag ich an dir? (Welche Verhaltensweisen, Taten, Eigenschaften, Aussehen, …)

Was ist schön mit dir?

Was klappt gut zwischen uns?

Weshalb möchte ich dich nicht verlieren?

Was möchte ich wieder mit dir erleben? (was wir schon einmal gut konnten)

Warum möchte ich mit dir zusammen sein?

Gern mit einem täglichen Ritual verbinden und sich 1 Sache sagen/schreiben.

NoGo`s:

  • Dazwischenreden, Unterbrechen
  • Bitte keine Klärungsgespräche abends todmüde nach 23 Uhr oder morgens vor dem ersten Kaffee! Guten Zeitpunkt wählen: Beide sollten ausgeruht sein und Zeit haben. Immer schön ist auch die Frage: Passt es dir gerade?

Folgende Aufgaben (entnommen dem „Besser streiten“-Training von Spiegel Online) können dabei helfen, das Problem und die Streitmuster besser zu erkennen. Viele Paare streiten wegen Kleinigkeiten, meist sind diese Anlässe aber austauschbar. Oft ist es nur die Spitze des Eisberges, in Wahrheit geht es um mehr und um tiefer liegende Grundbedürfnisse wie Gesehenwerden, Anerkennung und Wertschätzung, emotionale Nähe, Sicherheit und Geborgenheit.

Aufgabe 1

Achten Sie genau darauf, wann es zu Streits kommt: Ist es der Morgen mit der Familie, wenn alle in Hektik sind? Sind es Autofahrten? Forschen Sie nach und seien Sie ehrlich zu sich. Die meisten Paare kennen solche prototypischen Streitsituationen.

Überlegen Sie nun, was genau Sie in dieser Situation stresst und wie Sie diese entzerren könnten: Manchmal hilft es, einfach etwas mehr Zeit einzuplanen, manchmal geht es darum, einen Übergang oder Abschied bewusst zu gestalten (statt sich dann jedes Mal zu streiten). Was auch immer Sie sich überlegen – probieren Sie es dann einfach aus. Reden Sie mit Ihrem Partner darüber, wie er solche Reizsituationen erlebt, und überlegen Sie gemeinsam, was Sie beide verändern wollen.

Wichtig: Diese Aufgabe ist eine Art Aufwärmübung. Wer die streitanfälligen Situationen identifiziert hat, weiß meist noch nicht genau, warum er sich so ärgert oder gekränkt ist. Doch ein paar äußere, situative Variablen zu verändern, ist ein erster Schritt, der sich wiederholende Konflikte manchmal schon etwas entschärft.

Aufgabe 2

Nehmen Sie sich Zettel und Stift. Stellen Sie sich eine typische Streit-Situation vor und nehmen Sie eine Innen-Perspektive ein: Was geht in Ihnen in diesem Moment vor? Was regt Sie auf? Was ärgert Sie? Warum sind Sie beleidigt?

Meist ist der Grund für Wut und Konflikte, dass wir uns nicht gesehen, nicht ernst genommen, ausgenutzt oder übergangen fühlen. Versuchen Sie nun in zwei, drei Sätzen möglichst klar zu formulieren, was Sie bei diesem Krach so verletzt hat.

Wichtig: Es kann sein, dass der Partner Sie wirklich überrumpelt oder übersieht. Es kann aber auch sein, dass Ihr Gefühl Sie täuscht. Halten Sie noch mal inne und denken Sie nach. Wenn Sie zu dem Schluss kommen, dass Ihr Partner gar nicht so furchtbar viel falsch gemacht hat, Sie aber trotzdem auf ihn sauer sind, dann stellen Sie sich eine weitere Frage: Woher kenne ich so eine Situation? Habe ich in meinem Leben schon Ähnliches erlebt? Falls Sie spüren, dass es da etwas geben könnte, versuchen Sie, sich hier selbst auf die Spur zu kommen.

Aufgabe 3

Fragen Sie sich: Wo ist der Punkt, an dem aus einer heftigen Diskussion ein echter Streit wird? Wann wird es unfair? Sie erkennen diesen Punkt daran, dass Sie sich schlagartig sehr unwohl fühlen.

Versuchen Sie in diesem Moment, Ihren Streit zu unterbrechen, indem Sie sich selbst „Stopp“ sagen. Und sagen Sie dann dem Partner, dass Sie gern an dieser Stelle den Streit unterbrechen möchten. Wählen Sie beispielsweise folgenden Satz: „Ich finde das jetzt nicht mehr gut, lass uns bitte aufhören.“

Wenn Sie total in Rage sind, können Sie auch sagen: „Ich bin geladen, möchte so nicht weiter streiten. Ich gehe kurz raus, komme aber in 10 Minuten wieder.“ Diese Unterbrechungen sind schwer – und erscheinen manchen Menschen erst mal unlogisch oder schwach. Sie sind aber ein Zeichen von Stärke.

Tipp: Wenn Sie eine langjährige Partnerschaft führen, wissen oft beide, wo der Punkt ist, an dem ein bestimmtes ungutes Streitverhalten einsetzt. Es kann helfen, wenn man sich gemeinsam darüber unterhält und dem Streit einen Namen gibt, sich ein Codewort ausdenkt. Egal, ob es „Tornado“ oder „Tomatensalat“ heißt – wenn einer von beiden es ausspricht, versuchen beide, den Streit zu beenden.

 

 

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